VON DER HÖLLE BIS ZUM HIMMEL
DIE JENSEITIGE FÜHRUNG DES ROBERT BLUM
BAND 1

- Kapitel 31 -
Roberts freudige Zustimmung. Weitere Hauptfrage: Wiegestaltet ist die wahre Gottheit?


 
S
pricht Robert: ,,Höchstgeehrter Freund! Was soll ich über diese Sache noch mehr denken, als du nun ausgesprochen hast. Alles ist klar, wohlverständlich und zugleich unwidersprechlich wahr. Es kann wahrlich die Gottheit nicht anders sein und handeln als so, wie du es mir dargestellt hast. Denn sonst müßte die Gottheit aufhören, Gottheit zu sein oder es wäre wenigstens mit allen ihren Schöpfungen ehestens völlig zu Ende.
 
2
Ich sehe nun auch ein, daß ein jeder Geist, wenn er wahrhaft glückselig sein soll, für die höchste Wonne alle Reize der Empfänglichkeit, das zarteste Gefühl und eine feinste Empfindung und Wahrnehmung haben muß, so daß ihm auch die subtilsten Eindrücke unmöglich entgehen können. Und so muß er als ein lebendiger Geist mit der gleichen Empfänglichkeit auch die schlimmen Eindrücke mit gleicher Gefühlsschärfe wahrzunehmen imstande sein. Sonst müßte er entweder halbtot oder geistig narkotisiert sein, was sich aber mit seiner freien Willenskraft unmöglich vertrüge!
 
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Es kann sich daher die Gottheit nur so, wie du sie mir im besten Verhältnis zu ihren Geschöpfen dargestellt hast, als für ewig bestehend denken lassen. Darum kann ich auch nicht weiter darüber nachdenken, weil ich mich in der Notwendigkeit deiner Gedanken völlig zurechtgefunden habe.
 
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Nun aber kommt eine andere Hauptfrage: Wo ist denn diese Gottheit? In welcher Region der Unendlichkeit hat sie denn für ewig ihre Wohnung aufgerichtet? Denn irgendwo muß sie doch in aller ihrer Fülle zu Hause sein? Hat sie eine Gestalt und welche wohl? Oder ist sie gestaltlos und ist ihr Sein ein Unendliches, - ohne Form, damit sie eben darum der Inbegriff aller Formen sein kann? - Sieh, Freund, da ich nun die Notwendigkeit eines obersten Gottseins klar einsehe, so ist nun das Wo und Wie für mich von der größten Wichtigkeit!
 
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Vor allem aber muß ich bekennen, daß es mir viel lieber wäre, wenn die Gottheit doch unter einer Form vorhanden wäre, und zwar eben in der menschlichen. Denn eine ihrem Wesen nach unendliche Gottheit, oder eine Gottheit unter einer unserer menschlichen ganz fremden Form könnte weder ich und ebensowenig auch jemand anders aus allen seinen Kräften lieben.
 
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Ein Wesen, das man nie erfassen und beschauen kann, kann nie geliebt werden! Mathematisch ist wohl die Gestalt einer vollkommenen Kugel die vollkommenste; aber moralisch? Es nehmen sich zwar die großen himmlischen Leuchtkugeln sehr schön aus, aber das macht das Licht. Ob man aber auch eine solche Leuchtkugel lieben könnte? Wahrlich, auf diese Frage würde mein Gefühl offenbar verstummen!
 
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Daher, liebwertester Freund, da du in allem Ernste mit der Gottheit um vieles näher vertraut zu sein scheinst als ich, so rücke auch einmal mit der lieben Gottheit, und zwar mit dem Wo und Wie vollernstlich heraus!
 
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Denn von nun an brauchst du mit mir nicht mehr gar so beweisgründlich zu reden wie bisher. Ich bin von deiner tiefsten Weisheit vollkommen überzeugt und will dir aufs Wort glauben, was immer du mir sagen wirst. Daher bitte ich dich, daß du mich darüber nicht im Zweifel belässest!"